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Impact Hub Bern

«Wir schaffen viele Gelegenheiten zum Vernetzen»

In Impact Hubs können Start-up-Gründerinnen, Unternehmer, Freelancer, auch Interessierte aus Grossfirmen und NGOs arbeiten, sich austauschen, vernetzen. Einige legen hier einen wegweisenden Zwischenstopp ein, andere rüsten sich für die Zukunft als Unternehmerinnen und Unternehmer. 

«Impact Hubs schaffen einen kreativen Nährboden für junge Unternehmer», erklärt Miriam Gantert, Managing Partner des Impact Hubs Bern. Wobei jung nicht unbedingt ihr Alter meint. Der Grossteil der Mitglieder ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Jung sind hier vor allem Ideen, die entwickelt werden, Teams, die sich formieren, Produkte, die lanciert, Netzwerke, die geknüpft werden. Jede und jeder arbeitet an eigenen Projekten, die im Austausch mit Gleichgesinnten wertvolle Inputs erhalten.

Bern ist mit 280 Mitgliedern einer von bald fünf Impact Hubs in der Schweiz. Weltweit gibt es 101 auf fünf Kontinenten mit 17 000 Mitgliedern. «Gegründet wurde das internationale Netzwerk 2005 in London von einer Gruppe Entrepreneure, die gesellschaftliche und ökologische Probleme unternehmerisch lösen wollte.»

Im ehemaligen Krompholz

Jeder Impact Hub entsteht auf Initiative engagierter Gründerinnen und Gründer vor Ort, die sich für die Marke «Impact Hub» bewerben. In Bern waren nebst Miriam Gantert fünf weitere Gründungsmitglieder involviert, die aus verschiedenen Branchen stammen, aus der Fotografie, der IT und dem Bereich Innovationsdesign.

Der Berner Unternehmer Jürg Schwarzenbach, Mitglied des Verwaltungsrats, hat dem Gründer-Team viele Türen geöffnet, auch jene zu den 700 Quadratmetern in der Spitalgasse, wo einst das Musikhaus Krompholz eingemietet war, eines der ältesten und traditionsreichsten der Schweiz. Wo früher Steinways verkauft wurden, entwerfen Unternehmerinnen und Unternehmer heute Zukunftsmodelle, schaffen Kontakte, lernen Investoren kennen.

Gelegenheit schafft Netzwerke

«Bei uns finden 40 Events pro Monat statt. 95 Prozent sind öffentlich, viele gratis», führt Miriam Gantert weiter aus. Dazu gehören regelmässige Anlässe, die der Impact Hub selbst organisiert – das wöchentliche «Cake a break» beispielsweise, eine gemeinsame Kaffee-und-Kuchen-Pause oder der «Skill Share Lunch», bei dem Teilnehmende ihr Know-how teilen. Kurz: «Wir schaffen viele Gelegenheiten zum Vernetzen, überlassen es den Mitgliedern, inwieweit sie sich involvieren.»

Sitzungszimmer und Event-Raum mieten Mitglieder zu Vorzugspreisen, je nach Mitgliedschaft nutzen sie einen «Hot Desk», einen flexiblen Arbeitsplatz im Grossraumbüro, oder einen persönlichen Schreibtisch. Telefonkabinen bieten Rückzugsorte zum Privatgespräch – ein Geschenk der Swisscom. Wo Geschäftsideen geboren werden, gehen auch Politikerinnen und Politiker ein und aus sowie Mitarbeitende aus Grossunternehmen. Sie wollen den Puls der Jungunternehmer spüren, nach Talenten und lukrativen Ideen Ausschau halten und ihrerseits Kontakte knüpfen.

Was Impact Hubs ermöglichen

«Powercoders ist eine Programmierschule für Flüchtlinge und ein gutes Beispiel, wie Mitgliedern unser Netzwerk dienlich ist», zeigt Miriam Gantert auf. Der erste Kurs der Programmierschule fand in Bern statt, der nächste in Zürich, ein weiterer in Lausanne, einer in Basel. Die Organisatoren nutzten Netzwerk und Räumlichkeiten des Impact Hubs – verschafften sich auf diesem Weg auch internationale Kontakte.

Ein zweites Beispiel: «Rund 15 Freiwillige, sogenannte «Hubonauten», unterstützen uns im Daily Business. Ein «Hubonaut» traf hier auf einen IT-Experten, konnte in sein Geschäft einsteigen, Aufträge von ihm übernehmen. Vor ein paar Wochen haben die beiden eine Firma gegründet.» Im richtigen Moment die richtigen Menschen treffen. Das gelingt im Impact Hub leichter als anderswo. Und mit Wahlfachprogrammen für Berner Gymnasiastinnen und Gymnasiasten legt man auch künftigen Entrepreneuren die Bedeutung nachhaltigen Wirtschaftens ans Herz. 

Impact Hub Schweiz

In Zürich eröffnete vor neun Jahren der erste Impact Hub der Schweiz. Genf, Bern und Lausanne folgten. Ab Sommer gibt es einen weiteren in Basel. Ende Mai haben sich die Impact Hubs zum Dachverband Impact Hub Schweiz zusammengeschlossen. Ihr Wertegerüst bildet ein Manifest, das übergreifende Ziele formuliert, basierend auf den Sustainable Development Goals der UNO. «No hidden Agenda» steht da zum Beispiel oder, wie es die Berner formulieren: «Nüt Chlii-Druckts – üses Handle basiert uf Vertroue u  Transparänz.» Die Impact Hubs sind offen für alle, die sich mit wertebasiertem Unternehmertum identifizieren – ob mit oder ohne eigenes Business.

«Wir reden oft von Unternehmern, von Mitgliedern, die unternehmerisch denken – ob sie aus einem Start-up oder einem Grossunternehmen kommen, spielt keine Rolle.»

Miriam Gantert, Managing Partner, Impact Hub Bern