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Zukunftsweisend gebaut: Die Welle in Bern kombiniert Holz, Stahl und Glas.

Häring & Co. AG

So smart ist Holz

Holz ist leicht und fest wie Stahl. Es ist korrosionsbeständig, antimagnetisch und ökologisch. Zum Wachstum braucht es nichts weiter als Sonne und Wasser. Ein bewährter Baustoff, der im digitalen Zeitalter zur neuen Hochform aufläuft. In Bestform ist auch die Häring & Co. AG, die den Markt mit smarten Holzsystembauten bedient.

«Gäbe es Holz nicht, müsste man es erfinden, und zwar genau mit den Eigenschaften, die es hat», sagt Chris Häring, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Häring & Co. AG. Ein 140 Jahre altes Familienunternehmen, das im Holzbau gross und erfolgreich geworden ist, an vier Standorten in der Schweiz tätig ist und auch in China einen grossen Holzleimbau-Betrieb führt.

Ein eindrückliches Beispiel für Härings Kompetenz ist der Saldome 2 der Schweizer Rheinsalinen. Mit einem Durchmesser von 120 Metern Europas grösster Holzkuppelbau. Maximalkapazität: 120 000 Tonnen Salz. «Darin hätte sogar ein Airbus A380 Platz», betont Chris Häring und sagt: «Ein Kuppel-Tragwerk ist die energieärmste Strukturart. Der Natur nachempfunden umspannt sie ohne Säulen und mit dem geringsten Materialeinsatz das grösstmögliche Volumen.» Das ist smart, eckt nicht an.

Holz ist korrosionsbeständig und für die Lagerung von Streusalz ideal. Ein Naturstoff, CO2-neutral, nachhaltig und vor allem auf der nördlichen Halbkugel ausreichend vorhanden. 11 000 Quadratkilometer Wälder bedecken die Schweiz. «Jährlich wachsen zehn Millionen Kubikmeter Biomasse nach. Davon nutzen wir seit Jahrzehnten höchstens die Hälfte. Wir haben also Reserven.»

Brandsicherer als Stahl

Härings Unternehmens-Tochter Roth Burgdorf produziert täglich rund 80 Kubikmeter Brettschichtholz. Dabei werden mehrere Bretter mittels Keilzinkung verbunden und in gleicher Faserrichtung zu langen Bauelementen in verschiedenen Formen verleimt.

2004 zu Berns Welle beispielsweise, die als Gleispasserelle die Fussgängerbrücke im Westen des Hauptbahnhofs überspannt. Einzig die Transportmöglichkeiten begrenzen die Maximallänge von 50 Metern. «Eigentlich könnten wir über 100 Meter lange Elemente produzieren.»

Diese Möglichkeiten sind den Eigenschaften von Holz geschuldet: Es ist leicht und im Verhältnis zu seinem Gewicht trotzdem so bruchfest wie Stahl. Ausserdem brandsicher: Während Stahl bei 450 Grad seine Tragfähigkeit verliert, bleibt Brettschichtholz unter seiner verkohlten Oberfläche stabil. Hightech-Material, das vor der Haustüre wächst. Zu 80 bis 90 Prozent verwendet Häring Schweizer Holz.

Bauen mit System

War Holz früher für Scheunen und Ferienchalets gerade gut genug, ist der Naturbaustoff heute im hochmodernen Bau angekommen. Holz ist so gefragt wie nie, erobert auch traditionelle aus Stein gebaute Stadtteile, zum Beispiel das kleinbaslerische Clara-Quartier, wo Härings Green City House einen baufälligen Altbau innerhalb einer Häuserzeile ersetzt. Der Altbau wird abgerissen, die entstandene «Zahnlücke» mit vorgefertigten Holz-Modulen geschlossen, als ob man eine Schublade einführen würde. Das Resultat: Ein moderner Holzsystembau.

«Alle Module inklusive Fenster und Aussparungen für Steckdosen und Leitungen bereiten wir in unserem Werk in Eiken vor. Jedes Bauteil wird adressiert und digital hinterlegt – Element für Element in den Leerraum gefüllt – just in time.» Ein Puzzle und jedes Teil sitzt. Bauzeit: Eine Woche. Damit werden Verkehrsbehinderungen und Lärm in der Stadt auf ein Minimum reduziert.

Neuer moderner Wohnraum entsteht. Bauland ist nicht erforderlich. Auch nicht, wenn Gebäude aufgestockt werden. Attico heisst dieses Häring-Produkt: Die Baukomponenten aus Holz sind leicht, sodass keine zusätzlichen Herausforderungen an die Fundations-Statik entstehen. Auch hier wird alles vorgefertigt und innert Kürze verbaut. Die Belastung für bestehende Mieterinnen und Mieter ist minimal, das Dach saniert. «‹Bauen ohne Land› nennen wir das, ein wertvoller Beitrag zur Nachverdichtung», sagt Chris Häring.

Von Natur aus grün

«Wir müssen industriell bauen, ‹Light, fast, green›», das fordere die Bauindustrie heute. Mit smarten, leichten Holz-Systembauten lässt Häring diesen Schlagworten Taten folgen, bietet Lösungen für eine nachhaltige Bauweise, die zunehmend zur Pflicht wird. «Die weltweite Zementproduktion verantwortet sechs Prozent des CO2-Ausstosses, beim Flugverkehr sind es gerade mal zwei Prozent. Davon spricht die konventionelle Bauindustrie nicht – ich schon.»

Holz sei von Natur aus «grün» und das sei nicht parteipolitisch gemeint, sagt Chris Häring, der vor Jahren nach Brasilien ausgewandert war, als ihn sein Vater in die heimische Holzwerkstatt zurückholte. Chris Häring gehört zur vierten Generation des Unternehmens. «Holz war immer unser Rohstoff, auch als Stahl und Stahlbeton als moderne Baustoffe Vorrang hatten.»

Während Firmengründer Christian Häring als Zimmerer von Kunde zu Kunde lief, agierte die zweite Generation unter Karl Häring bereits sehr weitsichtig: Damals hat er im Kanton Basel-Land die sogenannten Häring-Häuser mitgebaut. Für 15 000 Franken inklusive Land. So habe jede Generation ihren Beitrag geleistet, das Unternehmen weiterentwickelt und nicht einfach Bestehendes übernommen.

Das gilt auch und ganz besonders für Chris Häring, der den Markt mit smarten Produkten proaktiv bedient, dabei auch zu exotischen Aufträgen kommt. Häring hat beispielsweise die Royal Academy für den König von Bhutan mitgebaut oder eine Verteidigungs-Konstruktion für die Südkoreaner – weil Holz auch antimagnetisch ist. Mit dem Greentower soll es dereinst weitergehen. Ein Mehrstöcker in Holz-Skelettbau-weise. Mit pragmatischer Architektur und kleinen Grundrissen eignet sich der Greentower für mietgünstiges Wohnen und ist dank Vorfertigung in kürzester Zeit realisiert. Diese Zukunftspläne haben grosses Potenzial.

«Jährlich wachsen zehn Millionen Kubikmeter Biomasse nach. Davon ­nutzen wir seit Jahrzehnten höchstens die Hälfte. Wir haben also Reserven.»

Chris Häring, Inhaber und Verwaltungs­rats­präsident Häring & Co. AG