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Das Projekt Else Züblin West in Zürich ist im Bau und sollte im Februar 2020 bezugsbereit sein.

Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof

Der Weg zum modernen «Stöckli»

In der Kriegszeit Anfang der 40er-Jahre herrschte grosse Wohnungsnot und günstiger Wohnraum war rar. Eine Handvoll Männer wollte dieser Unbill entgegenwirken und erwarb günstiges Bauland. So entstand später die Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof in Zürich. Sie bietet heute, 77 Jahre später, 4000 Menschen zu vernünftigen Konditionen ein Dach über dem Kopf.

Das Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum ist nach wie vor vorhanden. Einzig die ­infrastrukturellen Ansprüche an eine Mietwohnung sind gestiegen. Während sich die Genossenschafter in der Nachkriegszeit einen störungsfreien Fernsehempfang und einen Parkplatz in erreichbarer Nähe wünschten, liegt das Heil eines Zeitgenossen in einer Wohnung mit einer schönen Küche, möglichst zwei Nasszellen sowie Einkaufs- und anderen Dienstleistungsange­boten in unmittelbarer Nähe. Der Erfolg der heute 77 Jahre alten Genossenschaft basiert auf ihrer Agilität: Sie reagierte stets auf die Erfordernisse der jeweiligen Zeit.

Liegenschaftswert: 430 Mio. Franken

Bruno P. Baumberger, Geschäftsführer ad interim der Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof, kann dies nur bestätigen. Er wuchs selber in einer Genossenschaftssiedlung auf. Die Zahlen der 77 Jahre alten Genossenschaft sind beeindruckend: 15 Siedlungen, ein Hotel, 1800 Genossenschafter, 1600 Wohneinheiten für 4000 Bewohnerinnen und Bewohner. Der Liegenschaftswert wird im Jahresbericht 2017 auf knapp 430 Mio. Franken beziffert. Trotz Kostendruck und gesetzlichen Einschränkungen bei der Mietzinsberechnung erwirtschaftet das Unternehmen mit 41 Vollzeitstellen gewöhnlich Gewinn und sorgt damit dafür, dass die Genossenschaft in bestehende und neue Bauten investieren kann. «Das Wohnideal für die Unter- und Mittelschicht war ein kleines Einfamilienhaus mit einem Pflanzgarten, umgeben von viel Grün, mit noch mehr Licht und gesunder Luft», steht im Jubiläumsbuch. Dieses Bedürfnis hat sich gewandelt. Die 1600 Wohneinheiten findet man vor allem in erworbenen und ausgebauten Mehrfamilienhäusern oder Neubauten. Ob Reihenhaus oder Mietwohnung – oberste Maxime sind bezahlbare Mietzinse für einen vergleichsweise hohen Ausbaustandard. Die Genossenschaft ist der gesetzlichen Kostenmiete verpflichtet, diese wird nach der Vorgabe der Stadt Zürich berechnet und kontrolliert. Mit der Kostenmiete liegen die Mietpreise rund 20 Prozent unter dem Marktpreis.

Das Haus (Innenansicht)

Ein Projekt: «DasHaus»

Dass die Kostenmiete auch zur Herausforderung werden kann, wird bei einem vor fünf Jahren entwickelten und ambitiösen Projekt augenscheinlich. «DasHaus» entstand auf dem Reissbrett und wird dem zunehmenden Trend bis zur letzten Konsequenz gerecht, indem neben barrierefreien Wohnungen auch eine Abteilung mit Pflegebetten vorgesehen ist. Ausserdem sieht das Projekt ein breites, modular beziehbares Dienstleistungsangebot innerhalb der Siedlung vor. Dieses wird weitgehend durch externe Dienstleister erbracht. Das Projekt innerhalb der Grosssiedlung im Zürcher Stadtteil Albisrieden sieht einen vorgegebenen Mietermix vor. Die grösste Herausforderung stellt die Pflegeabteilung dar. Bruno P. Baumberger weiss, dass die Pflegeabteilung mit 18 Plätzen nicht mit klassischen Pflegeheimen konkurrieren und nur mit ständiger Vollbelegung einigermassen kostendeckend betrieben werden kann. Gesetzliche Vorschriften schränken bei der Preisgestaltung für Pflegebetten den finanziellen Spielraum ein.

Ein Modellfall?

Ein Projekt wie «DasHaus» könnte zum Modellfall werden. «Wir bauen eine moderne Form des Stöckli von früher, indem wir auch beim Innenausbau immer vor Augen haben, dass Menschen älter werden und zunehmend Erleichterungen im Alltag schätzen», sagt Baumberger. Beim Innenausbau bedeutet das Barrierefreiheit, zweckmässig eingerichtete Küchenräume und Nasszellen. Genossenschaftswohnungen bleiben auch künftig ein Bedürfnis. In den nächsten 20 Jahren wird der Stadt Zürich ein Bevölkerungszuwachs von 100 000 Menschen prognostiziert. Durchschnittlich jeder Dritte, besagt die städtische Vorlage, sollte dabei in einer Genossenschaftswohnung ein Zuhause finden.

Bruno P. Baumberger, Geschäftsführer ad interim, und Denise Hochstrasser, Bereichsleiterin Kommunikation, sehen im Projekt «DasHaus» einen möglichen Modellfall für die Genossenschaft.

Nachgefragt

Frau Hoess, was gab den Anstoss, in die Siedlungsgenossenschaft «Sunnige Hof» einzuziehen?

Julia Hoess: 2015 löste sich meine damalige Studenten-WG auf. Auf der Suche nach einer neuen Wohnung bin ich auf die Website der Genossenschaft «Sunnige Hof» gestossen und hatte bei der Bewerbung prompt Glück. Ich gehörte zu den Erstbezieherinnen im Neubau Mattenhof.

Was gefällt Ihnen besonders am Siedlungskonzept?

Mit gefallen das bunt durchmischte Miteinander und der Sharing-Gedanke. Gleichzeitig schätze ich aber auch die Ungezwungenheit der Quartierkultur: Jeder darf, keiner muss. Dass sich Hofladen, Bäckerei, Arzt, Wäscherei und Fitnessraum (gratis) in unmittelbarer Gehdistanz befinden, ist nicht nur für die älteren Bewohner von Vorteil, sondern begeistert auch die jüngere Generation.

Julia Hoess, Marketing & Kommunikation, BDO AG Zürich (Julia Hoess wohnt in der Siedlung Mattenhof)

«Wir realisieren die moderne
Form eines Stöckli.»

Geschäftsführer ad interim
Bruno P. Baumberger