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Coople AG

Lückenfüller mit viel Potenzial

Rund 400 000 Arbeitnehmende in der Schweiz und in London sind bei Coople registriert – flexibel und in ein bis zwei Tagen einsatzbereit. Den Job fürs Leben suchen sie nicht. 15 000 Unternehmen, darunter grosse wie Migros oder Swissport am Flughafen Zürich, ­nehmen die Dienste des Personalvermittlers regelmässig in Anspruch. Ein Erfolgsmodell mit Zukunftsaussichten.

Coople hat sich auf 1400 Quadratmetern an der Albisriederstrasse 253 in Zürich neu und komfortabel eingerichtet. Die Arbeitsplätze sind um eine grosszügige Café-Bartheke sortiert. Raumhohe Vorhänge trennen Arbeitsbereiche variabel ab. Überdimensionale Lampenschirme verbinden Licht und Schalldämpfung. Es gibt Sitzungszimmer, Workshopraum, Projekttische und Funzonen. Die Raumhöhe von 5,70 Metern schafft Luft nach oben und inspirierte zu Zwischendecks mit Treppen – kurz: zu einem sehr coolen Interieur.

Fixe Arbeitsplätze gibt es nicht, auch nicht für Gründer Viktor Calabrò, der auf Coople – der weltweit grössten Just-­in-time-Personalvermittlung – Arbeitgebende und Arbeitnehmende verkuppelt, die nicht an einer langfristigen Zusammenarbeit inte­ressiert sind. Ausgeschriebene Jobs sind in wenigen Stunden besetzt. Ist man einmal registriert, finden sich Jobsuchende und Anbieter mit einem Klick. Alles andere besorgt Coople – die Prüfung von Lebens­läufen und Zeugnissen, Lohnzahlungs- und Abrechnungsprozesse, Arbeitsverträge, ­Sozialversicherungen, die Einhaltung von Mindestlöhnen und Arbeitszeiten.

Arbeitsspitzen clever abdecken

«Unternehmen arbeiten aus unterschiedlichen Gründen mit uns zusammen», erklärt Coople-­Gründer Viktor Calabrò. Sie müssen Spitzen abdecken, verfügen selbst aber nicht über die Ressourcen und Kapazitäten. Etwa wenn das Letzigrund für das Ed-­Sheeran-­­Konzert 200 Arbeitskräfte mehr benötigt als sonst oder Globus Personal für das Weihnachts­geschäft aufstockt. Auch wetterbedingte ­Spitzen kann Coople gut abdecken oder für krankheitsbedingte Abwesenheiten von Mitarbeitenden rasch Ersatz aufbieten, wenn sich Arbeiten nicht aufschieben lassen.

«Und dann gibt es strategische Partnerschaften, wie wir sie mit Groundhandlern am Flughafen führen», so Calabrò. Die ­Servicegesellschaften für Fluggesellschaften und Flughäfen sind nicht nur am Check-in starken Schwankungen im Tagesgeschäft ausgesetzt. «Das erschwert die Personal­planung enorm.» Sie lässt sich auch mit ­traditioneller Temporärarbeit schlecht ­vereinbaren, erfordert vielmehr den ­Einsatz flexibler Lückenfüller, «um die sich bis dato niemand gekümmert hat.»

Flexibel aus freien Stücken

Das können Mütter und Väter sein, die Kind und Job unter einen Hut bringen, Jungunternehmerinnen, die am neuen Geschäfts­modell feilen, Studenten, Pensionierte, Freelancer, Wiedereinsteigerinnen – kurz all jene, die sich frei und flexibel auf dem Arbeitsmarkt bewegen. «Und das aus freien Stücken tun», betont Viktor Calabrò, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Plattformökonomie biete Hand zur ­Ausbeutung von Arbeitnehmenden, von ­digitalen Tagelöhnern ist die Rede, die nur dann zum Handkuss kommen, wenn Unternehmen sie brauchen.

Von einer neuen Generation an Arbeitskräften spricht Viktor Calabrò, die sich ihre Jobs um einen bunten Alltag herum organisieren. Nicht die Arbeit diktiert ihr Leben. Das Umgekehrte ist der Fall. Das betrifft eine wachsende Community, die Teil der sogenannten Gig-Economy ist. Gemeint sind Arbeitnehmende, die sich von Job zu Job hangeln, wie Musiker von einem bezahlten Auftritt (Gig) zum nächsten. Noch hinken Arbeitsgesetze hinterher, auch ein Umdenken sei nötig, damit flexible Arbeitsmodelle als gleichwertig anerkannt werden. «Wohnungssuche oder Finanzierungsgesuche sind schwierig ohne Fest­anstellung.»

Gut vorbereitet in die Zukunft

«Doch nur weil Leute flexibel sind, heisst das nicht, dass sie unzuverlässig sind, finanziell unsolide oder schlechtere Arbeits­kräfte», betont der innovative Geschäftsgründer und ermuntert auch kleine und mittlere Unternehmen zu einem Testlauf mit flexiblen Arbeitskräften, für einen Event, einen Umzug oder eine Marketing-Aktion. Auch um einen ­Vorgeschmack zu bekommen, in welche Richtung die Arbeitswelt der Zukunft geht.

Viktor Calabrò hat sein Unternehmen vor zehn Jahren gegründet, sich vom Aussen­seiter zum Pionier flexibler Arbeitszeit-Modelle entwickelt – inzwischen ­vielfach kopiert und mit zahlreichen Start-up-­Preisen ausgezeichnet. Ein Unternehmen mit Zukunft, das die Welt erobern will. «Wir haben das Potenzial zum globalen Player, doch auch die Schweiz, mit einem Volumen von acht Milliarden Franken im Temporärmarkt, ist noch nicht ausgeschöpft.»

Über Coople

Coople betreibt weltweit den grössten Just-in-time-Personalverleih und beschäftigt rund 180 Mitarbeitende an den Standorten Zürich, London und Minsk, wo eine Entwicklungscrew tätig ist. Das Unternehmen vermittelt online zwischen über 15 000 Unternehmen und 400 000 registrierten Arbeitnehmenden in der Schweiz und in Grossbritannien.

«Wir müssen 30- bis 40-Mal effizienter sein als ein traditioneller Player, um die gleiche Profi­tabi­lität zu erreichen. Dafür sorgen viel Technologie und Innovation im Hintergrund.»

Viktor Calabrò, Gründer und Verwaltungsrat von Coople