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Jean-Philippe Kunz, Mitgründer und CEO von GNUbiotics und sein Team
Jean-Philippe Kunz, Mitgründer und CEO von GNUbiotics und sein Team

GNUbiotics

Komplexe Kohlenhydrate für eine ausgewogene Darmflora

Kaum drei Jahre alt strebt GNUbiotics mit seinen präbiotischen Produkten den Weltmarkt an. Die Produkte des Unternehmens sind vorerst als Inhaltsstoffe für Hunde und Katzenfutter erhältlich. Diese Vermarktungsphase soll im Anschluss den Weg in die Humanmedizin ebnen.

Unsere Darmflora wird von Milliarden Bakterien besiedelt. Diese sogenannte Mikrobiota wird seit Jahren umfangreich erforscht und bringt spannende neue Erkenntnisse hervor. Schon jetzt geht man in medizinischen Kreisen so weit, unseren Darm als unser zweites Gehirn zu bezeichnen. Die nach Familien unterteilten Bakterien haben im bei unserer Verdauung jeweils eine oder mehrere spezifische Funktionen. Damit beeinflussen sie direkt unser Wohlbefinden und unsere Stimmung, unser Energieniveau und unser Immunsystem. GNUbiotics, ein Start-up aus der Waadt, entwickelt eine Plattform, die sich mit der gezielten Nutzung komplexer Kohlenhydrate befasst, den MAC (Microbiota Accessible Carbohydrates). MAC wurden ursprünglich vom Team um den Mikrobiologen Justin Sonnenburg an der Universität Stanford identifiziert, der die Ergebnisse publizierte. 2014 wurde ein Patent dazu angemeldet. Auf diesen Arbeiten baut das Team von GNUbiotics heute auf.

Komplexe Kohlenhydrate

Die von GNUbiotics entwickelte Klasse von MAC imitiert die Funktionsweise komplexer Kohlenhydrate, wie etwa der HMO (Human Milk Oligosaccharides), die von Natur aus in der Muttermilch vorkommen. «MAC unterscheiden sich von einfachen Kohlenhydraten wie Fructose oder Glucose dadurch, dass sie in der Lage sind, den Verdauungsenzymen im Magen zu widerstehen und unverdaut in den unteren Teil des Verdauungstrakts zu gelangen. Sie gehören zu den sogenannten Präbiotika», erläutert Jean-Philippe Kunz, Mitgründer und CEO von GNUbiotics. Mittlerweile sind über 150 verschiedene MAC identifiziert. Diese MAC haben eine doppelte Funktion: Sie dienen als Schutzbarriere für unsere Darmschleimhaut und sie liefern Energie, indem sie ausschliesslich die guten Bakterien ernähren. «HMO kommen in hoher Konzentration in der menschlichen Muttermilch vor, aber auch in der von Hunden und Katzen. Sie spielen eine wichtige Rolle für die Reifung des Immunsystems. Unserem Team ist es gelungen, ohne den Einsatz genetisch modifizierter Organismen, ein Präparat zu entwickeln, das die Funktionsweise von HMO imitiert. In vitro ist es erwiesenermassen in der Lage, die Darmflora zu stärken», so Jean-Philippe Kunz.

Tierernährung: eine Strategie

GNUbiotics bringt nun in Europa sein erstes Tiernahrungsprodukt auf den Markt. «Ein Drittel aller Tierarztbesuche ist beruht auf Verdauungsproblemen bei Haustieren, die unter anderem auf den hohen Getreidegehalt von Trockenfutter zurückzuführen sind. Um dagegen Abhilfe zu schaffen, haben wir ein pulverförmiges Produkt entwickelt, das rund 30 verschiedene Substanzen enthält. Es funktioniert wie die MAC, das heisst, es entwickelt seine positive Wirkung erst im Darm. Darüber hinaus verhindert sein Wirkmechanismus gezielt, dass die Tiere zunehmen.» Weltweit gibt es heute rund 600 Millionen Haustiere. Der Markt hat damit einen Wert von über 100 Milliarden Dollar.

«Unser Produkt für Hunde und Katzen ist deutlich komplexer als die Produkte unserer Mitbewerber. Es stellt den ersten Baustein unserer Strategie dar und wird uns helfen, Einnahmen zu generieren, um unsere Forschung fortsetzen und die verschiedenen Phasen der Wirksamkeitsprüfung unserer Produkte beim Menschen finanzieren zu können.» Laut Jean-Philippe Kunz ist GNUbiotics bestrebt, in drei bis vier Jahren in die Humanmedizin einzusteigen.

Ein Team auf Erfolgskurs

Schon jetzt belegen präklinische Daten, dass mehrere Produkte von GNUbiotics in der Lage sind, die Vielfalt der Darmflora wiederherzustellen. «Ein nächster Schritt wird es sein, die Wirksamkeit und Sicherheit unserer MAC für Anwendungen in der Säuglingsnahrung und bei Beeinträchtigungen der Gesundheit der Mikrobiota nachzuweisen, wie bei älteren Menschen oder Sportlern oder beispielsweise auch bei therapeutischem Bedarf.»

GNUbiotics wurde vor drei Jahren gegründet. Das junge Start-up steht vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Das Team setzt sich aus acht bis zehn Experten aus verschiedenen Fachbereichen zusammen, darunter Wissenschaftler, ein Arzt von internationalem Renommee im Bereich der Säuglings-Mikrobiota, Forscher im Bereich der DNA-Sequenzierung sowie erfahrene Unternehmer. Jean-Philippe Kunz bezeichnet dies als Alchemie. «Wir haben ein Produkt und eine stimmige Technologie hervorgebracht, unser Team verfügt über die erforderlichen Fähigkeiten, um unsere Produkte auf den Markt zu bringen, und auf unsere Investoren und Partner ist Verlass. Sicher sind die geschäftlichen Risiken gross. Doch dies ist uns bewusst und wir bleiben bescheiden. Ich bin daher überzeugt, dass wir eine gute Zukunft vor uns haben!»

 

«Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Zukunft vor uns haben!»

Jean-Philippe Kunz, Mitgründer und CEO von GNUbiotics