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Bei Swissquote gibt es keine Kleiderordnung, alle duzen sich und die Hierarchie ist flach.
Bei Swissquote gibt es keine Kleiderordnung, alle duzen sich und die Hierarchie ist flach.

Swissquote

HR im Wandel

Die Rekrutierungstechniken sind durch die sozialen Medien und die neuen Technologien gewissermassen neu erfunden worden. Tara Yip, die HR-Chefin von Swissquote, kann dies nur bestätigen.

«Ein Stellenangebot veröffentlichen, geduldig auf Bewerbungen warten und eine ­Vorauswahl treffen: In unserem Berufszweig ist diese Zeit definitiv vorbei. Die Rekrutierungstechniken haben sich in den letzten fünf Jahren stärker entwickelt als in den drei Jahrzehnten davor.» Tara Yip, Leiterin Human Resources (HR) bei Swissquote ist seit fast 20 Jahren im Unternehmen tätig und hat in dieser Zeit das ganze Ausmass des Wandels mitverfolgt.

Die Bedürfnisse von Swissquote sind eng mit ihrem Status als führende Online-Bank der Schweiz verknüpft: «Techniker machen 48 Prozent der 500 Mitarbeitenden aus, die hier am Standort Gland (VD) arbeiten, gegenüber nur 30 Prozent der Mitarbeitenden mit typischem Bankprofil. Die Entwicklung unserer Online-Plattform steht im ­Mittelpunkt unseres Geschäfts. Wie jedes Technologieunternehmen haben wir mit einem ausgetrockneten Arbeitsmarkt zu kämpfen», sagt Tara Yip.

Proaktive Rekrutierung

Mit einer Fluktuation von 11 Prozent, der Schaffung von neuen Stellen und der Einstellung von Temporärmitarbeitenden oder Praktikanten gibt es bei Swissquote jedes Jahr 150 bis 200 Neueintritte. «Da wir ­vielfach externe Stellenvermittlungen in Anspruch genommen haben, schossen die Rekrutierungskosten ins Astronomische. Wir haben daher entschieden, nicht mehr auf externe Dienstleister zurückzugreifen. Das Geld investieren wir stattdessen in unsere eigene Rekrutierungsstruktur, wobei wir uns insbesondere auf das ‹Talent Sourcing› konzentrieren.» Dieser Ausdruck bezieht sich auf die proaktive Strategie, hoch qualifizierte Talente zu finden, zu identifizieren und sie davon zu überzeugen, Kandidaten für die zu besetzende Stelle zu werden.

«Man muss bedenken, dass es vor 20 Jahren überhaupt nicht angebracht war, Mitarbeitende anderer Unternehmen abzuwerben. Heute sind beispielsweise Ingenieure so sehr gefragt, dass sie nicht mehr in beruflichen Netzwerken wie LinkedIn präsent sind. Um sie zu identifizieren, sind zum Teil Re­cherche­qualitäten erforderlich, die sich von denen des Personalvermittlers abheben. Obwohl die Vorarbeit enorm ist, sehen wir positive Ergebnisse», ist Tara Yip stolz auf die Leistungen ihres 12-köpfigen HR-Teams.

Für ein Unternehmen wie Swissquote ist die Schweiz als Markt zu klein geworden. «Obwohl wir uns auf den nationalen Markt konzentrieren, führen wir auch weltweite Rekrutierungen durch. Fast 50 verschiedene Nationalitäten zählen wir hier in Gland. Seit 2014 haben wir auch in der Ukraine, in Spanien und in Portugal eine Offshoring-Strategie umgesetzt, wobei diese Entwicklungseinheiten durch Partner geführt werden. Dies erhöht unsere Leistungsfähigkeit erheblich, da wir Zugang zu hoch qualifizierten Arbeitskräften haben, die schnell verfügbar sind», erklärt Tara Yip.

Die Herausforderung der Integration

Eine weitere grosse Herausforderung für die Personalabteilung ist die Begleitung und Unterstützung bei der beruflichen und persönlichen Integration neuer Mitarbeitender, bei denen es sich oft um Expats handelt. Tara Yip: «Rein logistisch ist es nicht komp­liziert, jemanden aus dem Ausland zu uns zu holen. Doch was können wir tun, damit sich die Person hier entfalten kann? Sie ­verlässt ihr Land, ihre Familie, ihr soziales Umfeld und muss sich in eine neue Kultur integrieren. Die Herausforderung ist gewaltig. Aber wir sind uns dessen bewusst und versuchen, so gut wie möglich Unterstützung zu bieten.»

Dies erfordert ein angenehmes Arbeitsklima in einem professionellen Umfeld, das Kommunikation und Zusammenarbeit ­fördert. Bei Swissquote gibt es keine ­Kleidervorschriften, alle duzen sich und die Hierarchie ist flach. Ein Pub, das ab 17 Uhr geöffnet ist, fördert informelle Treffen. ­Darüber hinaus stellt das von Swissquote angebotene Kultur- und Sportangebot nahezu jedes Ferien- und Vergnügungszentrum in den Schatten. «Das Prinzip besteht darin, eine soziale Bindung zu schaffen. Unser Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren und diese Dienstleistungen werden von unseren jungen Mitarbeitenden sehr geschätzt. Wir kommunizieren über LinkedIn, Instagram und mit Jobstories, um das Sourcing zu unterstützen und es den Kandidaten zu ermöglichen, sich in unsere Arbeitswelt hineinzuversetzen», so Tara Yip.

Aber ein gutes Arbeitsumfeld ist nur ein Puzzleteil für den Erfolg. Um die richtigen Kandidaten zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden, müssen auch andere ­Kriterien wie Vergütung, Karriereentwicklung und Flexibilität erfüllt sein. «Wir ­verbessern unsere Löhne weiter und verfügen über ein hervorragendes Rating auf allen Ebenen. So werden beispielsweise 80-Prozent-Teilzeitstellen bei Männern immer beliebter. Wir sind auch sehr offen für Sabbaticals und haben gerade unsere neue Home-Office-Politik umgesetzt, die vom Arbeitsmarkt sehr gefragt ist. Ich bin überzeugt, was ein Unternehmen seinen Mitar­beitenden gibt, erhält es auch zurück.»

«Je mehr sich Mitarbeitende zugehörig und respektiert fühlen, desto eher werden sie sich für unser Unternehmen einsetzen.»

Tara Yip, Leiterin Human Resources bei Swissquote