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Getroffen

Freddy Burger – Manager, Promoter, Gastronom und eine ganz grosse Persönlichkeit

Im Regal stehen Pokale; da liegt ein FIFA-Bildband, unübersehbar auch die Jukebox oder die «Udo Jürgens-Ecke» mit Bildern und Goldenen Schallplatten aus einer gemeinsamen Zeit. Dieses Büro in einer Zürcher Jugendstilvilla, klein, aber fein, zeigt Erinnerungen und Geschichten aus den letzten 50 Jahren einer besonderen Persönlichkeit: Freddy Burger, ein Schweizer Start-up-Pionier im eigentlichen Sinne.

Es ist geradezu ein Vergnügen, Freddy Burger zuzuhören. Er macht deutlich, dass die Stimme ein Instrument ist, dem unglaublich viele Töne und Klänge entlockt werden können. Er betont jede einzelne Silbe, wenn er sagt: «Unabhängigkeit war und ist für mich wichtig.» Auch wenn er in seinem langen Berufsleben als Musikmanager und Inhaber einer Firmengruppe mit 26 Unternehmen nie gesungen hat, beweist er, dass jeder Mensch ein unverwechselbares Timbre hat – er ganz besonders.

Gemeinsam einen Baum pflanzen

Wo beginnen wir bei dieser beeindruckenden Persönlichkeit, die 1967 «Les Sauterelles» unter die Leute gebracht und zwei Jahre später eine Firma gegründet hat, die heuer 50 Jahre alt wird und nach der Übernahme des Managements von Udo Jürgens 1977 einen steilen Aufstieg ins internationale Showbiz vollzog? Er, der immer hinter Udo Jürgens stand und mit ihm bis zu seinem überraschenden Tod vor fünf Jahren in enger Freundschaft verbunden war. «Wir pflanzen gemeinsam einen Baum», stand im Vertrag mit Udo Jürgens. «Die Früchte teilen wir nach einem Schlüssel.» Der Baum wuchs steil in die Höhe. Mit diesem Baum wuchs auch sein Unternehmen – letztlich bis heute, wenn man es noch einmal genau nimmt, 26-mal in Form von 26 Firmen oder ebenso vielen Start-ups, um den heutigen Begriff einer Firmen- oder Ideengründung zu verwenden. 

Der «Puma»-Deal

Dank seinem Schützling aus dem Kärntnerland stieg Freddy Burger vor 32 Jahren ins Sportgeschäft ein. Im Urlaub auf Gran Canaria traf er zufällig Armin Dassler, den damaligen Besitzer des Sportartikelherstellers Puma. Dassler war ein Fan von Udo, wollte ihn für ein Freundschaftsspiel als Ankicker gewinnen. Burgers Bedingung: Armin Dassler zu einem Gespräch treffen. «Das dauerte über vier Stunden und meine Urlaubsbegleiter zeigten mir den Vogel.» Seine Stimme hebt sich und fängt leicht zu beben an. «Ich sagte meiner Partnerin: Kein Wort. Ich habe mit Dassler einen Deal gemacht. Ein Sponsoring von einer Million Franken. Ei-ne Mi-lli-on Franken.»

FBM = 26 Firmen

Diese kleine Episode von grosser Tragweite führte Freddy Burger als Chef von Puma Schweiz ins Sportgeschäft, das ihn unter dem Strich ein paar Millionen Franken kostete. Nach diesem vergleichsweise kurzen Abstecher zog es ihn endgültig nach Zürich. An die Carmenstrasse 12, wo seine Firmen unter dem Dach Freddy Burger Management ihren Sitz haben. Die Jugendstilvilla im Kreis 7 ist die Relaisstation der FBM. In den heute 26 Firmen arbeiten rund 250 Männer und Frauen, dazu kommen um die 500 Freelancer. Der bald 74-Jährige arbeitet von Dienstag bis Donnerstag. Zwischendurch zieht es ihn in eines seiner Feriendomizile. Freizeit ist ihm wichtig. Das war schon als junger Vater von drei Kindern so. Der mittlere Sohn Oliver (31) soll dereinst seine Nachfolge antreten.

Mit 32 eine Midlife-Crisis

Zielorientiert war er schon immer. Er lernte Hochbauzeichner, wusste schon bald, dass er diesen Beruf nie ausüben würde. Ihn zog es aufs Parkett der Unterhaltung. Er habe damals festgestellt, dass die Leute immer weniger arbeiten müssen, immer mehr Freizeit haben und die müsse man organisieren. Das wurde zu seinem Beruf und zu seiner Leidenschaft. Nach turbulenten Auf und Abs wurde er Partner der Konzertagentur Good News. Dann erfasste ihn eine Lebenskrise. In einer TV-Sendung nannte er sie Midlife-Crisis. Und das mit 32 Lebensjahren. Als der Ringier-Verlag Good News übernahm, verliess Burger die Agentur und erlebte mit dem Management von Udo Jürgens seinen phänomenalen Aufstieg im Showbiz.

Learning by Doing

Er ist kein «Hansdampf in allen Gassen», auch wenn das den Anschein machen könnte. Die Zusammensetzung seiner Firmengruppe ist nicht zufällig, sondern über all die Jahrzehnte entstanden und gewachsen. Durch frühe Bekanntschaften, etwa mit der Familie Märkle in Grindelwald. Mit Ruedi Märkle baute er Nachtclubs in Interlaken, Bern, Basel und Zürich auf. Märkle war der Gastronom, er der Manager. Aber kein studierter Manager. Freddy Burger schloss seine Lehre zum Hochbauzeichner zwar ab, «alles andere war ‹Learning by Doing›».

Unabhängigkeit

Noch lange bevor er seine berufliche Karriere startete, war Burger Sportler, spielte auf hohem Niveau Eishockey und Fussball. Ein Autounfall mit 18 Jahren setzte diesen Ambitionen ein jähes Ende. Er sei in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Das vergisst er ebenso wenig wie die Worte seiner Mutter: «Wir lügen nicht. Wir betrügen nicht. Wir sind arbeitsam und demütig.» Diese Worte seien zu seinem Credo geworden und noch mehr: Er fällt seine Entscheide im Einklang mit Kopf, Herz und Bauch. Dieses Gefühl machte ihn mit 50 unter anderem bankenunabhängig. «Un-ab-hän-gig!», um es mit seinem unverwechselbaren Timbre zu betonen. 

FBM – die History

1967
Freddy Burger wird Manager von «Les Sauterelles» und Veranstalter von Musikevents in der Schweiz.
1969
Management von Pepe Lienhard und die Gründung der Rent-a-Show AG (Stammfirma).
1977
Exklusiv-Management von Udo Jürgens.
2019
FBM umfasst mit über 200 Fachspezialisten die Bereiche Entertainment, Gastronomie, Events, People, TV Production. Die Rent-a-Show AG zählt mit jährlich bis zu 300 Vorstellungen (Musik, Musicals, Tanz, Oper usw.) zu den wichtigsten Promotern der Schweiz. Das Unternehmen wird heute von CEO Christoph Bürge geführt.
Ausserdem
Internationale Rechte von Walt Disney; 2004 Organisation 100 Jahre FIFA; 2017 Alpine Ski-WM St. Moritz; 2019 Übernahme der Thunerseespiele.