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Nicholas Petrig, responsable des finances d’Astrocast
Nicholas Petrig, Finanzchef von Astrocast

Astrocast

Ein neues Zeitalter der Satellitenkommunikation

Das Startup-Unternehmen Astrocast hat seinen zweiten Nanosatelliten gestartet. Vor wenigen Monaten wurde der erste Prototyp in die Umlaufbahn gesetzt, der in einer Entfernung von 574 bis 590 Kilometern die Erde umrundet. ZOOM hat das Westschweizer Jungunternehmen an der Ecole polytechnique fédérale in Lausanne (EPFL) besucht. 

Am 3. Dezember 2018 wurde eine Falcon-9-Rakete von Space X von der kalifornischen Basis Vandenberg gestartet. Sie hatte einen kleinen Satelliten an Bord, der von Astrocast entworfen und gebaut worden war. Ein zweiter Prototyp folgte Anfang April, der mit einer indischen PSLV-Rakete ins All geschickt wurde.

Erst der Anfang …

Das ist erst der Anfang eines Weltraumabenteuers des Jungunternehmens, mit Sitz auf dem Campus der EPFL. Bis 2023 sollen 80 Nanosatelliten in die Umlaufbahn geschickt werden und, um es im Weltraumjargon auszudrücken, eine eigene Weltraumbasis bzw. Konstellation erstellen. Astrocast ist das erste Schweizer Unternehmen, das mit eigenkonstruierten Satelliten nach den Sternen greift.

Ein Telekommunikationsbetreiber

Die beiden Satelliten, mit Namen Kiwi und Hawaii, sind die «Vorboten» von weiteren zehn Satelliten, die voraussichtlich Ende des Jahres in den Weltraum geschickt werden sollen. «Unsere Terminals entsprechen einer praktikablen Lösung, um Millionen von Objekten auf der gesamten Erdoberfläche (auf Land und Wasser) übertragen zu können», sagt Finanzchef Nicholas Petrig. Die Nanosatelliten im Weltraum werden von L-Band-Frequenzen unterstützt und ermöglichen damit den Kundenunternehmen, ihre Anwendungen des Internets der Dinge auf diejenigen 90 Prozent der Erde auszuweiten, die gegenwärtig nicht von den zellularen Netzen abgedeckt sind – wie Wüsten, Ozeane, Schwellenländer, und damit mit Infrastrukturen oder Anlagen aus der Ferne zu kommunizieren. Damit können künftig unter anderem die Bedürfnisse der Schifffahrt abgedeckt werden (zum Beispiel durch die Überwachung von Fischerbojen, der ökologischen Qualität der Ozeane oder die Verfolgung von ContainerSchiffen im Meer). Die futuristische Technologie dient aber auch der Öl- und Gasindustrie, indem Pipelines kontrolliert werden können. Kurzum dienen diese Systeme der ganzen Versorgungs- und Logistikkette – unabhängig von ihrem Standort. Die Kommunikation erfolgt über das Weltall.

Drei Pilotkunden im Test

Für die Testphase arbeitet Astrocast mit drei Pilotkunden zusammen. «Wir stellen ihnen unsere Entwicklungskits zur Verfügung und übertragen damit unsere Kommunikationsprotokolle», führt Nicholas Petrig weiter aus. Ein Beispiel ist die Firma Swiss Fresh Water, ein Unternehmen, das Wasserreinigungsgeräte entwickelt, die vor allem in abgelegenen afrikanischen Dörfern zum Einsatz kommen. Ein in den Reinigungsfilter eingebautes Kommunikationsmodul sendet mehrmals täglich verschlüsselte Daten zum Filterstatus. «Unser Satellit empfängt die Daten und überträgt sie an eine Bodenstation – eine in Luzern und eine in Norwegen –, die sie über ein gesichertes Webportal an unsere Kunden weiterleitet. So können Wartungsrunden ganz gezielt durchgeführt werden.»

Klein und leicht

Kiwi und Hawaii sind Nanosatelliten oder CubeSats in der Grösse von 30 × 10 × 10 Zentimetern und einem Gewicht von weniger als fünf Kilogramm. Sie wurden von Ingenieuren (darunter Fabien Jordan, Gründer und CEO von Astrocast) entwickelt, die im Raumfahrtzentrum der EPFL am Projekt SwissCube teilgenommen haben. Die Nanosatelliten umkreisen das Universum auf einer niedrigen Umlaufbahn, das heisst zwischen 550 und 600 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt, und mit einer Geschwindigkeit von 8 Kilometer in der Sekunde. Damit umrunden sie alle 90 Minuten die Erde und passieren dabei die beiden Pole. «Ein Satellit ist ständig abwechselnd grosser Hitze und Kälte ausgesetzt. Seine Komponenten müssen extremen Temperatur­­unterschieden gewachsen sein, die wir hier im Labor simulieren», erläutert Kevin Owen, Maschinenbauingenieur. «Die Satellitentests erfordern viel Zeit. In den Bauteilen steckt viel Technologie: die Antriebssysteme, die Batterien oder die Solarzellen sind in langjähriger Forschungsarbeit entstanden.» Das energiesparende Modul wurde in Zusammenarbeit mit Airbus sehr kostengünstig entwickelt.

Partner und Konkurrenten

Für Nicholas Petrig eröffnet sich mit der Kommunikation von kleinen Datenpaketen eine neue Dimension. «Dank seinen Kompaktmodulen, den winzigen Antennen und dem optimierten Datenprotokoll ist unser Nanosatellit momentan das modernste Gerät auf dem Markt.» Die Konkurrenz in diesem Bereich ist gross. Iridium, Hiber oder Myriota, um nur einige zu nennen, profilieren sich ebenfalls auf dem Gebiet des IdD per Satellit. «Unsere Satelliten sind allerdings kleiner und können damit kostengünstiger in die Umlaufbahn gebracht werden. Und wir können ein deutlich vorteilhafteres System anbieten: Die Gesamtkosten der Infrastruktur betragen knapp 50 Millionen Franken, weit von den Geldsummen entfernt, die für klassische Konstellationen aufgebracht werden müssen. Wir sind immer noch unter dem Preis, den unsere New-Space-Konkurrenten verlangen», sagt Petrig.

Link astrocast.com