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In festen Händen von Giuseppe Zoccolillo und Karin Legler: Die Multibox, das Herzstück des i-Systems, das die Gebäudetechnik revolutionieren könnte.
In festen Händen von Giuseppe Zoccolillo und Karin Legler: Die Multibox, das Herzstück des i-Systems, das die Gebäudetechnik revolutionieren könnte.

LoccoZ Group

«Das i-System könnte die Welt retten»

Gebäudetechnik neu gedacht: Das bisherige Nebeneinander verschiedener Systeme und Leitungen ersetzt LoccoZ durch ein System, das Strom, Wasser, Heizung, Kühlung und Lüftung aus einer einzigen Quelle bietet. Das schont die Umwelt, spart Ressourcen und Geld.

LoccoZ-Gründer Giuseppe Zoccolillo ist ein Tüftler, ein Daniel Düsentrieb, ein Visionär. Sein i-System revolutioniert die Gebäudetechnik, stellt sie auf den Kopf, denkt sie völlig neu, als Kreislauf, als autarke Einheit. Dreht man einen herkömmlichen Wasserhahn auf, fliesst kaltes Wasser aus weitverzweigten Leitungen. Eine zweite Leitung spendet warmes Wasser, je nach Heizsystem mehr oder weniger nachhaltig produziert. In den Leitungen verpufft nicht nur viel Wärme, das ruhende, lauwarme Restwasser schafft zudem einen Nährboden für die Entstehung von Legionellen.

Anders bei LoccoZ: Hier führt eine Kaltwasserleitung zur sogenannten Multibox, dem Herzstück des i-Systems. Die Multibox wärmt das Wasser und führt es zum gewünschten Wasserhahn. «So entsteht Warmwasser erst dann, wenn wir es brauchen», erklärt Giuseppe Zoccolillo. Ein Knopfdruck auf der digitalen Schaltfläche genügt, um Temperatur und Menge zu regeln. Automatische Spülungen verhindern die Entstehung von Legionellen. Aus Kunststoff- oder Edelstahl-Leitungen fliesst ionisiertes, sauberes Trinkwasser, frei von Schwermetallen.

«Wir sparen 60 Prozent Wasser und Energie, benötigen keine Boiler und rund 60 Prozent weniger Leitungsmaterial.» Die Leitungen sind mit sechs bis acht Millimetern nicht nur dünner, sondern auch kürzer als herkömmliche: «Mit den Rohreinsparungen aus jährlich rund 42 000 neu gebauten Einfamilienhäusern könnten wir achtmal die Welt umrunden», hat ein Tüftler aus dem LoccoZ-Team ausgerechnet. Beeindruckend – und doch ist das clevere Ein-Rohr-System nur ein Teil des i-Systems.

Biogas aus Eigenproduktion

Brauch- und Abwasser werden zur Wiederverwendung aufbereitet. Letzteres passiert die hauseigene Kläranlage, wo Feststoffe von Schmutzwasser getrennt, das Wasser gereinigt und zurück in das System gespeist wird. Was in der Schweiz undenkbar ist – gereinigtes Abwasser in den Trinkwasserkreislauf zurückzuführen –, ist in anderen Ländern wichtig, etwa wenn Anschlüsse an die öffentliche Abwasser-, Strom- und Wasserversorgung fehlen oder der Wassermangel gross ist.

Verwendet werden auch die Abfälle: «Aus Fäkalien, Grün- und Küchenabfällen stellen wir CO2-freies Biogas her, das eine Mikrogasturbine antreibt, die Strom und Abwärme generiert», spannt Geschäftleitungsmitglied Karin Legler den Faden weiter. Die Abwärme beheizt oder kühlt ein beliebig grosses Gebäude. «Heizkörper oder Klimageräte braucht es dazu nicht, einzig eine Lüftung.» Das LoccoZ-Team ist mit Regierungsvertretern auf der ganzen Welt vernetzt. «Wir sind häufig in afrikanischen und arabischen Ländern im Einsatz, in den USA, in Europa, hier vor allem in der Türkei, in Skandinavien, Österreich und Deutschland.»

Mikrogasturbine produziert Strom

Was jetzt noch fehlt, ist der Strom. Um seiner Spur zu folgen, führt der Weg zurück zur Mikrogasturbine, die nebst 200 Kilowatt Wärme 100 Kilowatt Strom erzeugt. Und so schliesst sich das System. «Was zu viel an Strom und Gas produziert wird, fliesst zurück ins Netz und spült zusätzlich Geld in die Kasse.» Das LoccoZ-Team optimiert das System laufend, das, modular aufgebaut, in unendlich vielen Varianten einsetzbar ist, sodass Experten inzwischen sagen: «Das i-System könnte die Welt retten.» Bei LoccoZ gibt man sich bescheidener. «Um die Welt zu retten, sind wir zu klein. Aber wir haben eine Vision.» … die allerdings nicht minder bescheiden ist, wenn Giuseppe Zoccolillo sagt: «Ich möchte zehn Prozent der weltweiten Energie herstellen.» 

LoccoZ Group

Seit 2014 stellt die LoccoZ System AG eigene Produkte her und steckt viel Entwicklungsarbeit in die Lancierung neuer Produkte. Das Start-up beschäftigt in Gisikon gut 20 Mitarbeitende und erfüllt acht der 17 Sustainable Goals der UNO für eine nachhaltige Entwicklung. Die autarke Infrastrukturlösung befindet sich derzeit in der Phase der UL-Zertifizierung sowie in weiteren Zertifizierungs­prozessen, erfüllt sämtliche Normen und bietet Strom, Wasser, Heizung, Kühlung und Lüftung aus einer Quelle.

«Nicht immer hat alles funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben, oft mussten wir unten durch, haben viel verloren, aber nie aufgegeben.»

Giuseppe Zoccolillo,
Gründer der LoccoZ Group