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Stimme aus Bern

Alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann als Mentor für die finanzielle Förderung von Schweizer Start-ups

Ein Grossteil der Fördergelder fliesst aus dem Ausland in Schweizer Start-ups. Das soll sich ändern. 2017 wurde die Swiss Entrepreneurs Foundation gegründet, eine Idee des ehemaligen Wirtschaftsministers Johann Schneider-Ammann. Sie soll künftig erfolgversprechenden Start-ups nachhaltige Unterstützungsgelder gewähren.

Der ehemalige Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann weiss, wovon er spricht. Der Unternehmer besass ein Unternehmen im Biotechbereich, das er in der ehemaligen DDR gekauft und in der Schweiz weiterentwickelt hatte. Als das Projekt zu greifen begann, stellte sich ihm die Frage: Wie geht es finanziell weiter? Er habe damals den Weg in die USA auf sich genommen, um zu den erhofften Fördergeldern zu kommen.

Kräftiges Startkapital nötig

87 Prozent der Gelder, die in Schweizer Start-ups fliessen, stammen aus dem Ausland, vorab aus den USA und Deutschland. Die Schweizer Wirtschaft unterstützt durchaus erfolgversprechende Geschäftsideen. Aber der Median der Finanzierungsrunden nimmt sich mit 2,5 Millionen Franken relativ bescheiden aus. Die Start- und Entwicklungsphase sei finanziell die intensivste, sagt Schneider-Ammann aus eigener Erfahrung. 2017 kündigte der damalige Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann die Schaffung eines Fonds für die Start-up-Finanzierung an. 500 Millionen Franken sollten von Firmen, Pensionskassen und Privatpersonen zusammenkommen, um später ambitionierte Start-ups nachhaltig zu unterstützen.

Bessere Voraussetzungen in Europa

Die Erfahrung, dass Fördergelder für Start-ups vor allem im Ausland bereitliegen, machte der Bündner Investor Alex Fries schon vor längerer Zeit. Er lebt seit über zwei Jahrzehnten im Silicon Valley und betätigt sich als Start-up-Gründer. 2001 war er Mitbegründer des Start-ups SVOX AG – ein Spin-off der ETH Zürich im Bereich der Sprachsynthese. Das Geschäft entwickelte sich hervorragend. Die Firma wurde ein Jahrzehnt später für über 100 Millionen Franken an eine US-Firma verkauft. Starthilfe erhielt er damals aus den USA. Auf Startups.ch sagte er in einem Interview: «Grosse Technologie-Giganten stammen fast ausschliesslich aus dem Silicon Valley. Dabei gäbe es in Europa bessere Produkte, Ingenieure und Erfindungen als in den USA.»

5 bis 20 Millionen Franken Startkapital

Solche und andere Beispiele dürften die Dringlichkeit eines Fonds in der genannten Dimension verstärkt haben. Als Wirtschaftsminister habe er rasch erkannt, dass sich die Schweiz den Luxus nicht länger leisten könne, gute Ideen ins Ausland abwandern zu lassen. «Gute Ideen, die im Labor entstehen, müssen nach der ersten Phase der Industrialisierung vor allem auch beim Wachstum in den internationalen Märkten unterstützt werden, indem wir den Innovatoren das nötige Kapital zur Verfügung stellen», sagt Johann Schneider-Ammann. Alt Bundesrat Schneider-Ammann nennt einen konkreten Finanzierungsrahmen von 5 bis 20 Millionen Franken für ein förderwürdiges Start-up mit internationalem Potenzial.

Harziger Start

Für die Gründung der Swiss Entrepreneurs Foundation zeichneten die sechs Firmen UBS, CS, Mobiliar, Swisscom, die Gebert Rüf Stiftung und die Anwaltskanzlei Wenger & Vieli je 150 000 Franken Stiftungskapital und setzten später mit Peter Stähli, dem Co-Gründer des Swiss Economic Forums (SEF), einen Topmann als Geschäftsführer ein. Als Präsident der Stiftung wurde Mobiliar-Präsident Urs Berger berufen.

Wesentlich harziger erwies sich der Weg zur Äufnung des Fonds mit einer Zielsumme von 500 Millionen Franken. Die Initialzündung habe die Mobiliar mit 100 Millionen Franken gemacht, beschreibt Johann Schneider-Ammann die Anfänge. «Jetzt sind wir bei institutionellen und privaten Investoren auf der Suche nach weiteren  Beteiligungen mit dem Ziel, in den nächsten zwei bis drei Jahren die angestrebte halbe Milliarde Franken zu erreichen.» Die Suche nach erfolgversprechenden Start-ups und erste Gespräche seien am Laufen, verrät Schneider-Ammann. Letztlich gehe es auch darum, dass erfolgreiche Jungunternehmer später auch als Investoren und Mentoren anderen Start-ups helfen und somit die Kommerzialisierung von innovativen Technologien in der Schweiz fördern.

Mehr Investitionen in die Fintech

Die meisten Geschäftsmodelle von Schweizer Start-ups bewegen sich in den klassischen Bereichen unserer Volkswirtschaft. «Auffällig sind die wachsenden Investitionen in Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf der fortschreitenden Digitalisierung der Fintech basiert», stellt alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann fest. Viel Potenzial sieht er zudem in den Bereichen Pharma, Logistik, in der Maschinenindustrie oder in der  Biotechnologie. Die Schweiz verfüge über einen guten Bildungsstandard und mit den Top-Universitäten wie ETH Zürich, EPFL und HSG mit ihren Spinoffs würden guten Ideen Tür und Tor geöffnet.

Johann Schneider-Ammann hofft, dass sich weitere Geldgeber in den starken Branchen in unserem Land finden werden. Der ehemalige Wirtschaftsminister will sich jedenfalls auch künftig mit seinem Netzwerk dafür einsetzen, dass die vor zwei Jahren gegründete Stiftung und der Fonds auf lange Sicht gesichert sind. 

Zahlen und Fakten

316 Mio. Fr.
wurden 2012 in Start-ups investiert
1236 Mio. Fr.
wurden 2018 in Start-ups investiert
Waadt, Zürich, Zug, Basel-Stadt und Genf
sind die fünf Top-Regionen für Start-ups
61
Start-ups wurden 2012 finanziert
230
Start-ups wurden 2018 finanziert
ICT, Bio- und Medtech sowie Fintech
sind die Top-Branchen 2018

Quelle: Swiss Venture Capital Report, realisiert vom Online-Newsportal Startupticker.ch und Investorenvereinigung SECA

«Die Schweiz kann sich den Luxus nicht länger leisten, gute Ideen ins Ausland abwandern zu lassen.»

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Johann Schneider-Ammann